Muss man als Blogger ein Gewerbe anmelden?

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob man als Blogger ein Gewerbe benötigt.
Meine persönliche Antwort lautet immer:

  • JA, wenn Sie Werbeeinnahmen oder Sponsored Post einbinden möchten. Einfacher gesagt – wenn Sie wollen Geld verdienen wollen mit Ihrem Blog.
  • Nein, wenn Sie einen reinen privaten Blog schreiben oder kein Geld verdienen wollen.

Bei Einnahmen bis zu ca. 450,00 € im Jahr (genaue Summe können Sie beim Ordnungsamt/Finanzamt in Erfahrung bringen) brauchen Sie als Blogger keine Rechnung zu schreiben. Jedoch empfehle ich, wenn Sie sich bei Partnerprogrammen (Amazon, Google Adsense …) anmelden und Werbung einbinden, sofort ein Gewerbe anzumelden, da im besten Falle in kürzester Zeit höhere Einnahmen zu erwarten sind.

Grundsatz Gewerbeschein

Im allgemeinen gilt immer: wer Gewinnerzielungsabsichten hat, der benötigt einen Gewerbeschein! Somit sind Sie rechtlich immer auf der sicheren Seite. Sie sind definitiv als Blogger kein Freiberufler. Als Blogger üben Sie eine ähnliche Tätigkeit wie Journalisten aus, benötigen aber dennoch ein Gewerbe, denn nur die sogenannten Katalogberufe, die in § 6 der Gewerbeordnung aufgelistet sind, dürfen sich zu den freien Berufen zählen. Daher ist ein Gewerbeschein ein Muss, wenn Sie Umsatz generieren wollen.

Wenn Sie diesen Grundsatz missachten und ohne Gewerbeschein Werbung einbinden, Beiträge gegen Geld schreiben und das liebe Finanzamt Ihnen auf die Schliche kommt, können Sie mit größter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Ärger vorprogrammiert ist.

Der Gang zum Ordnungsamt

Sie haben sich entschlossen einen Gewerbeschein zu holen? Sie wissen nicht was jetzt auf Sie zukommen wird? Hier eine kurze Schilderung über meinen Weg zum Ordnungsamt.

Im Jahr 2012 war ich beim Nürnberger Ordnungsamt und habe mein Nebengewerbe angemeldet. Ich wurde gefragt, welche Dienstleistungen eingetragen werden sollen und nannte diese.

Wichtig zu wissen ist auch: Einen Gewerbeschein zu beantragen ist gebührenpflichtig. Die Gebühr ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich hoch. Ich habe in meinen Fall 40,00€, in Nürnberg gezahlt. Das bedeutet für Sie – informieren und erkundigen Sie sich, was in Ihrer Gemeinde alles benötigt wird beim Ordnungsamt.

Sie möchten jetzt auch zum Ordnungsamt? Wissen Sie was ein Blogger im Gewerbeschein eintragen lassen sollte? Nein?

Tätigkeitsbeschreibung eines Bloggers im Gewerbeschein

Dieser Eintrag im Gewerbeschein bezieht sich nur auf Deutschland. Für Österreich und die Schweiz kann ich Ihnen das leider nicht nennen.

Wenn Sie beim Ordnungsamt sind, sollten Sie genau diese Tätigkeit eintragen lassen:

  • Internetdienstleistungen (eine Durchführung, Veranstaltung oder Vermittlung von Sportwetten, keine Bereitstellung von Einrichtungen hierfür).

Dann können Sie jetzt in Ruhe das Bloggen für sich entdecken – oder?
Nein – falsch gedacht!

Ordnungsamt und Finanzamt

Nachdem Sie beim Ordnungsamt waren, bekommen Sie vom Finanzamt innerhalb der nächsten Wochen Unterlagen zugeschickt. Diese Unterlagen sind mit größer Sorgfalt auszufüllen. Damit Sie sich kein Eigentor schießen achten Sie bitte beim ausfüllen der Unterlagen auf folgendes:

Selfmade Millionen Club
  • Kreuzen Sie an, dass Sie im Nebengewerbe tätig sind.
  • Nehmen Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch (somit müssen Sie keine Umsatzsteuer ausweisen)
  • Und schließlich: geben Sie Gewinn und Ausgaben nicht zu hoch an.

Nachdem Sie diese Unterlagen ausgefüllt und unterschreiben an das Finanzamt geschickt haben, können Sie sich Ihrem Blog widmen. Sie erhalten dann in 4-6 Wochen vom Finanzamt Ihre Steuernummer (bei Kleinunternehmen ist es in der Regel die persönliche Identifikationsnummer).

Ein geschäftliches Bankkonto – ja oder nein?

Ich empfehle Ihnen ein geschäftliches Bankkonto zu eröffnen. Bei der Sparkasse oder Commerzbank finden Sie geeignete Modelle für Kleinunternehmen. Die Kosten und Modelle sollten Sie sich schriftlich geben lassen und genau überdenken. Sie werden nämlich nicht in der Regel gleich im ersten Monat nach Gewerbeanmeldung Umsätze generieren.

Der Vorteil eines geschäftlichen Bankkonto ist es, dass Sie die Einnahmen und Ausgaben (gewerblich) gesondert in einer Übersichtlichen Darstellung haben. Somit können Sie Ihre finanzielle geschäftliche Situation besser überwachen.

Brauche ich DENN WIRKLICH ein Gewerbe?

Diesen Punkt habe ich oben klar aufgelistet, jedoch möchte ich Ihnen die Sicht des Finanzamtes näher bringen.

Dem  Finanzamt ist es egal wie viel Sie tatsächlich verdienen, ob Sie Gewinne erzielen oder ein Minus erwirtschaften oder ob Sie überhaupt keine Einnahmen oder Ausgaben haben. Dem Finanzamt geht es einzig und alleine darum, dass Sie mit Einbindung von Werbung Gewinnerzielungsabsichten haben. Darum benötigen Sie einen Gewerbeschein. Dieser bringt natürlich auch die Auflistung aller Einnahmen (wenn vorhanden) und Ausgaben mit sich.

Wenn Sie jedoch die Schritte bei der Anmeldung und Schriftverkehr beachten und als Kleinunternehmer geführt werden, können Sie ein bisschen sorgenfreier leben. Denn Sie benötigen eine Einnahme-Überschuss Rechnung (einmal im Jahr fällig) und keine doppelte Buchhaltung. Die Einnahme-Überschuss Rechnung wird auch EÜR genannt. Auf diesen Punkt möchte ich in einem gesonderten Beitrag später eingehen. Nur einiges Vorweg:

  • EÜR – Auflistung aller Einnahmen und Ausgaben.
  • Normalerweise langt es, wenn Sie eine Excel Liste erstellen. Am besten monatlich Rechnungen auflisten und Plus / Minus rechnen.
  • Kopien der Rechnungen anheften.

Wie schon oben angesprochen gehe ich in einem gesonderten Beitrag noch viel näher ein. In diesem Post stelle ich Ihnen Musterrechnungen, Musterdatenblatt etc. zur Verfügung. Außerdem wird es demnächst einen Beitrag über die Kleinunternehmerregelung geben. Auch hierzu erhalten Sie dann einen Musterrechnungsbogen von mir.

Fazit:

Sie möchten mit einem Blog Geld verdienen? Dann müssen Sie ein Gewerbe anmelden.
Diese Prozedur ist einmalig und die Kosten halten sich im Rahmen. Damit sind Sie dann aber rechtlich auf der sicheren Seite.

Sie sollten jedoch nicht vergessen, dass Sie als Selbstständiger auch Pflichten haben ( z. B. Buchhaltung etc.).

Bei Fragen zu diesem Thema, können Sie mir einen Kommentar hinterlassen. Ich werde diese schnellstmöglich beantworten.